Minutemade for DANCE (UA)

Kat Válastur / Daina Ashbee / Eisa Jocson

Donnerstag, 16. Mai 2019, 21.30 Uhr, € 22 / erm. € 12 inkl. Gebühren, TICKETS
Freitag, 17. Mai 2019, 21.30 Uhr , € 22 / erm. € 12 inkl. Gebühren, TICKETS
Ort: Muffathalle
Dauer: ca. 60 Min.

Ballettdirektor Karl Alfred Schreiner erfand 2013 für sein Ensemble ein Format, das längst Kult ist: Minutemade. Im Handumdrehen kreiert in dieser »Dancesoap« ein Choreograf oder eine Choreografin in nur fünf Tagen mit bis zu 20 TänzerInnen ein komplettes Stück. Alles ist erlaubt. Aber: Das neue Stück muss beginnen, wo das Vorgängerstück endete. Wohin dann die choreografische Reise geht, ist offen. Bei DANCE wird das erfolgreiche Format von der Festivalleitung kuratiert, an Festivalbedingungen angepasst und mit hochkarätigen Gästen besetzt. Nachdem in der vergangenen Festivalausgabe Emanuel Gat, Benôit Lachambre und Nicole Peisl für das Erfolgsformat choreografierten, wurden in diesem Jahr drei Künstlerinnen gewonnen, um für die Münchner Kompanie zu kreieren: Kat Válastur, Daina Ashbee und Eisa Jocson. Die Musik wird von Polina Lapkovskaja alias Pollyester komponiert und live gespielt.

In Berlin zu Hause ist Kat Válastur, die an der Hellenic State School of Dance und an den Trisha Brown Studios in New York ausgebildet wurde. 2001 gründete sie die Forschungsplattform adLibdances. Am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz in Berlin absolvierte sie einen Master-Studiengang. Danach stellte sie sich die Frage: »What is left to be danced?« Und begann damit, Grundlagenforschung zu betreiben und Vertrautes neu zu denken. Zeit zum Beispiel. Das Duett Lang entstand, mit dem sie international tourte. Auch das vierteilige Odyssee-Projekt (Oh! Deep sea, 2010–12) beschäftigte sich mit der Zeit und wurde vom Berliner HAU / Hebbel am Ufer koproduziert und 2012 präsentiert. Ein Stipendium am Institut für Raumexperimente 2013/14 unter der Leitung von Ólafur Elíasson in Kooperation mit der Universität der Künste Berlin inspirierte sie zu ihrem nächsten Projekt, The Marginal Sculptures of Newtopia (2014–16). 2017 folgte dann das erste Werk einer neuen Reihe, The Staggered Dances of Beauty, die Choreografin erhielt eine Werkschau am HAU und wurde für den George-Tabori-Preis nominiert.

Daina Ashbee war mit ihrem verstörenden, zwischen Verletzlichkeit und Kraft oszillierenden Duett Unrelated bei DANCE 2017 zu Gast. Seither ist die in British Columbia, heute in Montreal lebende Choreografin auf internationalen Festivals (Tanzbiennale Venedig, 2017, Rencontres chorégraphiques internationales de Seine-Saint-Denis, Oktoberdans in Norwegen) und an prominenten Häusern weltweit präsent. Schon mit Mitte Zwanzig erhielt sie in Kanada erste Preise und galt als »somebody to watch«. Das Magazin tanz kürte sie 2017 zur Hoffnungsträgerin. 2018 choreografierte sie für das Biennale College der Tanziennale in Venedig). Bis 2020 ist Daina Ashbee Artist in residence an der Agora de la danse in Montreal und assoziierte Künstlerin des Centre de Création O Vertigo (CCOV). In ihren radikalen Arbeiten setzt sich Daina Ashbee mit weiblicher Sexualität und der Situation der First Nations, der indigenen Völker Kanadas, auseinander. Sie selbst ist Nachfahrin holländischer Einwanderer und indigener Cree, deren Spiritualität, Verbundenheit mit der Natur und soziale Realität eine große Rolle in ihrem Werk spielen.

Die philippinische Choreografin und Performerin Eisa Jocson bringt postkoloniale Arbeitsbedingungen, weibliche Körperformatierungen und Projektionsflächen für sexuelles Begehren, heteronormative Regelüberschreitungen und Transkulturalität LGBT in glänzend-bösen Inszenierungen auf den Tisch. Mit Princess, dem ersten Teil der Trilogie Happyland, gastierte sie 2017 beim Spielart-Festival erstmals in München und rückte Disneys Schneewittchen in den Kontext kapitalistischer und kolonialer Ausbeutung. Über ihre Arbeit sagt Eisa Jocson: »Ballet was formative in my physical and movement orientation. My visual arts education and practice gave me access to theoretical discourse. Pole dancing enabled me to investigate movement in relation to its social context.« Der Pole-Kontext brachte sie zu ihrer ersten Choreografie, Death of the Pole Dancer (2011). Für Macho Dancer (2013) ließ sie sich von hypermaskulinen Tänzern in philippinischen Bars deren Stil beibringen, und für Host (2015) reflektierte sie die käufliche Verfügbarkeit japanischer Frauen für Geschäftsmänner, indem sie als »one-woman-entertainment-service-machine« agiert.

Die Musik für Minutemade for DANCE kommt live von Pollyester, Polina Lapkovskaja, die als Performance-Künstlerin, Sängerin, Komponistin und Musikerin seit Mitte der 1990er Jahre in München präsent ist. Seit 2008 entstehen Theatermusiken für die Münchner Kammerspiele, das Theater Basel, das Residenztheater München und das Deutsche Theater Berlin. 2013 erhielt sie den Förderpreis Musik der Landeshauptstadt München.
 

Choreografie: Kat Válastur, Daina Ashbee, Eisa Jocson
Live-Musik: Polina Lapkovskaja (Pollyester)
TänzerInnen: Ensemble des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Fotos: © Marie-Laure Briane

In Kooperation mit dem Staatstheater am Gärtnerplatz München.

Mit Unterstützung der Vertretung der Regierung von Québec - Berlin und des Conseil des arts et des lettres du Québec.

Mit Unterstützung der Botschaft von Kanada.

Mit freundlicher Unterstützung vom Tierpark Hellabrunn.