Roughhouse

Richard Siegal

Freitag, 24. Mai 2019, 19 Uhr, € 30 / erm. € 15 inkl. Gebühren, TICKETS
Samstag, 25. Mai 2019, 19 Uhr, € 30 / erm. € 15 inkl. Gebühren, TICKETS
Ort: Muffathalle
Dauer: ca. 80 Min.

Einführung am 24. und 25. Mai um 18.30 Uhr

TRAILER

Sprachsplitter brechen überdas Publikum so brutal herein wie die AkteurInnen durch die Papierwand. In Guerillamontur. Schreiend. Ein Overkill an Wörtern, Sätzen, Slogans. Versteht hier noch jemand irgendetwas? In diesen Sprachgewittern der Mediengesellschaft scheitert die verbale Kommunikation. Sie geht unter zwischen Fake News, zerfällt zu sinnlosem Gestammel, aufgerieben von Zuschreibungen, Sprechverboten, hysterischen Hasstiraden. Jeder und jedem die eigene Wahrheit. Choreograf Richard Siegal schrieb selbst den Text für vier TänzerInnen seiner in München angesiedelten Kompanie Ballet of Difference und fünf SchauspielerInnen der Städtischen Bühnen Köln. Ein atemloses Crossover-Spektakel, voll abgründigen Humors und berührenden Momenten tänzerischer Poesie.

Bei DANCE 2017 präsentierte der amerikanische Choreograf zum ersten Mal sein Ballet of Difference (BoD). Das Ensemble der SolistInnen ist divers, was Herkunft und kulturelle Prägung betrifft, aber homogen in seiner tänzerischen Perfektion. Auch sprachlich brillieren die TänzerInnen in dieser interdisziplinären Produktion, die auf Englisch mit deutschen Übertiteln über die Bühne geht und die Kölner SchauspielerInnen kongenial zum Tanzen bringt. Damit erreicht die Städtepartnerschaft zwischen München, dem Sitz des Ballet of Difference, und Köln, wo das Stück entstand – als sechstes im Repertoire von BoD –, einen Höhepunkt und eine neue Dimension im Werk Richard Siegals. Für seine ästhetischen Neuausrichtungen ist Siegal bekannt. Er experimentiert mit Stilen, Genres und Formaten. Tanz, Installationen, Community-Projekte, New-Media-Arbeiten, Musiktheaterproduktionen zählen zu seinem Portfolio, das er mit namhaften KünstlerkollegInnen umsetzt, zuerst mit seinem 2006 gegründeten Kollektiv The Bakery, seit 2016 mit Ballet of Difference. Für seine Arbeit erhielt Richard Siegal wichtige Auszeichnungen: den New York Dance und Performance Bessie Award, den S.A.C.D. Prize, den Deutschen Theaterpreis Der Faust und den Münchner Tanzpreis 2013.

So umtriebig Siegal in seiner ästhetischen Neugier ist, so hartnäckig bleibt er an den Themen, die ihm wichtig sind. Für Roughhouse erstellte er eine Textfläche, die Zitate, Schlagworte, Kalauer, Slogans, Sprechweisen versammelt. "To roughhouse" meint soviel wie "raufen, Radau machen, misshandeln", und Siegal treibt die Codes unserer postfaktischen Gesellschaft einerseits bis zum Slapstick und andererseits bis an die Schmerzgrenze. Man taumelt zwischen Me Too-Debatte und "Artist-of-Color"-Diskussionen, denkt darüber nach, ob Avatare Schmerz empfinden und was uns das angeht. Eingewoben in diese Sprachtextur ist auch ein Ausschnitt aus Aischylos' Orestie, allerdings scheint er irgendwie gestohlen worden zu sein, denn auf einmal fehlen die Worte ... Kulturelle Aneignung, Postkolonialismus, Migration, Feminismus – Siegal bringt alles aufs Tapet, in atemberaubendem Tempo und mit DarstellerInnen, die zu allem fähig scheinen.

 

Choreografie / Regie: Richard Siegal
Besetzung: Yuri Englert, Marlene Goksch, Nicola Gründel, Stefko Hanushevsky, Jemima Dean, Seán McDonagh, Margarida Neto, Claudia Ortiz Arraiza, Diego Tortelli

Dramaturgie: Tobias Staab, Stawrula Panagiotaki
Komposition: Lorenzo Bianchi Hoesch
Bühne: Jens Kilian, Richard Siegal
Licht: Gilles Gentner
Kostüme: Flora Miranda
Video: Lea Heutelbeck
Übersetzung: Tobias Staab
Ballettmeisterin: Caroline Geiger
Sportwissenschaftliche Betreuung: Gjuum
Produktionsleitung: Miria Wurm
Fotos: © Thomas Schermer

Eine Produktion von: Richard Siegal/The Bakery und Ecotopia Dance Productions, koproduziert mit Schauspiel Köln, Tanz Köln, Muffatwerk München

Gefördert durch: Kulturstiftung des Bundes, Kulturreferat der Landeshauptstadt München, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

Richard Siegal ist Resident Choreographer am Muffatwerk München.