Die Geschichte des DANCE-Festivals: Zur Ausgabe Nr. 7

DANCE 2000 – ZWISCHEN DEN WELTEN

Die festivalerfahrene Kulturmanagerin und Gründerin vom Tanzbüro Hannover, Gabriele Naumann, übernahm die künstlerische Leitung der 7. Ausgabe, die erneut im Frühjahr stattfand. Erstmals kam damit eine Berufung von außerhalb zustande.

Das Millenniumsfieber hatte sich gelegt, der erwartete Computer-Crash blieb aus. Die Eintrittspreise bei DANCE blieben stabil. Brigitte von Welser löste 1999 Eckard Heintz als Geschäftsführerin der Gasteig München GmbH ab. Ihr ursprüngliches Fachgebiet im Kulturreferat wurde aufgeteilt in den Bereich Darstellende Kunst mit dem Österreicher Werner Schmitz als Ressortleiter und das Sachgebiet Tanz lag nun bei Stephanie Leonhardt. Die festivalerfahrene Kulturmanagerin und Gründerin vom Tanzbüro Hannover, Gabriele Naumann, übernahm die künstlerische Leitung der 7. Ausgabe der Tanzbiennale, die erneut im Frühjahr stattfand. Erstmals kam damit eine Berufung von außerhalb zustande. Gefördert wurde das Festival vom Freistaat Bayern im Rahmen von Bayern 2000. Mit dem Thema „Zwischen den Welten“ knüpfte Gabriele Naumann an den aktuellen interkulturellen Diskurs in den Darstellenden Künsten an, was im zweisprachigen Festivalmagazin FAMA unter dem Leitgedanken „The body (in)difference“ theoretisch untersucht und vertieft wurde. Eingeladen waren Künstler und Künstlerinnen aus Europa, Afrika und Asien. Mit dem Atelier der Choreographen, das im Akademietheater stattfand, wurde ein neues Format geschaffen als Treffpunkt und zum Austausch von Ideen und Gedanken „rund um den künstlerischen Schaffensprozess in den verschiedenen Welten des Tanzes“.

Susanne Linke, Ko-Direktorin des Tanztheaters in Bremen eröffnete das Festival im Carl-Orff-Saal mit „Le coq est mort“, übersetzt „Der Hahn ist tot“. Sie entwickelte die Choreographie aus Improvisationen mit acht Tänzern der in Senegal beheimateten Compagnie Jant-Bi von Germaine Acogny, der Ikone des afrikanischen Tanzes. Das Volkstheater in der Brienner Straße wurde vom Choreographen-Duo Salia Ni Seydou aus Burkina Faso/Frankreich bespielt, beide Mitglieder der Compagnie Mathilde Monnier in Montpellier. In „Figninto“ (Das blinde Auge), ihrer zweiten eigenen Choreographie fanden die Tänzer zu einer zeitgenössischen Bewegungssprache ohne Selbstentfremdung. Malve Gradinger schreibt: „Hier haben wir den neuen Puls Afrikas gespürt, seine flammende Kraft“. („Oper & Tanz“, 2/2000). Im Marstall, damals noch unter der Leitung von Elisabeth Schweeger, zeigte die in Los Angeles lebende Koreanerin Sen Hea Ha ihr zweistündiges Solo „Epiphany“, eine Verbindung aus koreanischem Tanz, Schamanismus und westlichen Techniken. Gleichfalls im Marstall war TheatreWorks/The Flying Circus Project aus Singapur mit „Desdemona: Deconstructed – Reconstructed“ zu Gast, das als offener Arbeitsprozess gezeigt wurde. Das Neue Theater im Stadtviertel Au bot den passenden Rahmen für Soloauftritte von Sardono W. Kusumo (Indonesien ), Virpi Pahkinen (Finnland) und Maya Krishna Rao (Indien).
 
Ein Novum war die Einbindung eines Münchner Beitrags. Micha Purucker, Mitbegründer des Choreographen-Kollektivs Dance Energy und der Tanztendenz München e. V. richtete im öffentlichen Raum, nämlich am äußerst belebten Bahnhofplatz 2 eine intime „Box“ ein, worin sich Fotos, Diaprojektionen, Videos und Soundcollagen überlagerten. Purucker assoziierte seine Installation „Chongno -3(sam)-ga“ mit einem großen Verkehrsknotenpunkt in Seoul. Der allgegenwärtige Informationsoverflow wurde auch in der experimentellen Multimedia-Installation „Circulation Module“ der japanischen Gruppe Nest in der Muffathalle inszeniert und mit den sich wiederholenden Alltagsbewegungen der TänzerInnen kombiniert. Die 1989 in London gegründete Frauentanzgruppe von Shobana Jeyasingh präsentierte im Carl-Orff-Saal das preisgekrönte Stück „Palimpsest“ sowie die Uraufführung von „Surface Tension“ mit Musik von Kevin Volans. Dort fand auch die Abschlussveranstaltung mit dem renommierten Cloud Gate Dance Theatre aus Taiwan statt. Zu sehen gab es die inzwischen zum Klassiker gewordene Choreographie „Moon Water“ (1998), eine Parabel über Sein und Schein – alles fließt.
 
DANCE 2000, 7. Internationales Festival des zeitgenössischen Tanzes
Veranstalter: Kulturreferat des LH München, Kulturreferent: Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin,
Leiter des Fachbereichs Darstellende Kunst: Werner Schmitz, Sachgebiet Tanz: Stephanie Leonhardt Mitveranstalter: Spielmotor München e.V. in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsschauspiel/Marstall, N.T. Neues Theater, Bayerische Theaterakademie August Everding
Festivalpartner: Goethe-Institut, The Japan Foundation, National Culture and Arts Foundation of Taiwan u.a.
Künstlerische Leitung und Organisation: Gabriele Naumann
Aufführungsorte: Gasteig (Carl-Orff-Saal, Black Box, Vortragssaal), Muffathalle, Bayerisches Staatsschauspiel/Marstall, N.T. Neues Theater, Akademietheater, Münchner Volkstheater
Zeitraum: 16. bis 25. März 2000

Begleitprogramm: „Body Cultures/Body Talks“, Atelier der Choreographen im Akademietheater, „Zwischen den Welten“ - Choreographen, Künstler und Tanzkritiker bei DANCE, Vortragsreihe im Gasteig/Blackbox, „Alles hat seine Grenzen“, Podiumsdiskussion im Gasteig/Vortragssaal der Bibliothek, Workshop mit Germaine Acogny im Hasting-Studio


Von Brygida Ochaim