Raimund Hoghe: "Canzone per Ornella" - © Rosa Frank

Raimund Hoghe: "Canzone per Ornella" - © Rosa Frank

Raimund Hoghe: "Canzone per Ornella" - © Rosa Frank

Raimund Hoghe: "Canzone per Ornella" - © Rosa Frank

Raimund Hoghe

Canzone per Ornella

Seit Jahren gehört die ehemalige Solistin in Maurice Béjarts berühmter Kompanie Le Ballet du XXème siècle und Primaballerina auf italienischen Bühnen zur festen Gruppe um den Choreografen Raimund Hoghe, der im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Tanzpreis ausgezeichnet wurde. Er widmete ihr das beim Festival d'Avignon uraufgeführte Stück Canzone per Ornella. Die Hommage an die zeitlose Diva Ornella Balestra wird durchzogen von Texten des italienischen Regisseurs, Dichters und streitbaren Publizisten Pier Paolo Pasolini. Dessen Satz "Den Körper in den Kampf werfen" war damals ein Anstoß für Hoghe, auf die Bühne zu gehen. Auch in Canzone per Ornella tritt er auf, bereitet der Tänzerin den Raum, twistet neben ihr und lässt sich von ihr in der wohl komischsten und berührendsten Ballettstunde der Tanzgeschichte das kleine Einmaleins der Armpositionen beibringen.

Für seine Arbeit erhielt Raimund Hoghe im Oktober 2020 den Deutschen Tanzpreis, die höchste Auszeichnung für Choreografie, die hierzulande vergeben wird. Geehrt wurde damit ein Künstler, der allen Widerständen zum Trotz unbeirrt, kompromisslos und konsequent seinen Weg verfolgt und seine Werte vertritt. Ästhetisch wie politisch. Auch in dem melancholisch-feinsinnigen Porträt Canzone per Ornella bringt Hoghe das Elend Flüchtender zur Sprache. Ruhig, fast stoisch liest er einen Brief zweier junger Männer vor, dessen schrecklicher Inhalt die Parallelwelt, in der wir uns ganz gut eingerichtet haben, jäh unterbricht. Auch Pasolini, eine Referenzfigur für Hoghe wie für die Turinerin Balestra, steht für sexuelle Selbstbestimmung in einer offen homophoben Gesellschaft, für die Parteinahme für die Elenden und Entrechteten, auch für eine von vielen als provokativ empfundene Radikalität in Kunst und Leben. Sein Satz "Den Körper in den Kampf werfen" wurde für den Choreografen Hoghe, der damals, Anfang der 1990er Jahre, bereits zwei Karrieren - als Journalist und als Dramaturg bei Pina Bausch - hinter sich hatte, zur Initialzündung für seine Bühnenlaufbahn. Die Schönheit seiner Stücke kontrastiert er mit dem Wissen um den Abgrund. Eine Schönheit, die in Canzone per Ornella auch aus der Eleganz des Älterwerdens entsteht. Momente aus früheren Stücken finden hier ihren Widerhall, wenn Ornella Balestra mit den Armen Odette-Odile aus Schwanensee zitiert, die Tänzerin über die Bühne geht, wenn Dalida und Judy Garland singen. Hoghe bereitet gemessenen Schrittes wieder die Bühne, trägt kleine Objekte, agiert mit seinem langjährigen künstlerischen Mitarbeiter Luca Giacomo Schulte. Mal twisten sie auch alle drei: zu Dalidas Ciao Amore Ciao.

Freitag, 14. Mai 2021, 21 Uhr
Samstag, 15. Mai 2021, 21 Uhr

Muffathalle (tbc.)

Konzept, Choreografie, Ausstattung: Raimund Hoghe
Künstlerische Mitarbeit: Luca Giacomo Schulte
Tanz: Ornella Balestra, Raimund Hoghe, Luca Giacomo Schulte
Musik und Texte interpretiert von Victoria de los Angeles, Charles Aznavour, Leonard Bernstein, Gigliola Cinquetti, Dalida, Georges Delerue, Marlene Dietrich, Judy Garland, Milly, Bobby Solo, Chavela Vargas und Pier Paolo Pasolini
Fotografie: Rosa Frank
Management: Judith Jaeger und Les Indépendances, Paris.

Eine Produktion von Raimund Hoghe - Hoghe + Schulte GbR Düsseldorf, koproduziert durch das Theater im Pumpenhaus Münster. Gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, die Kunststiftung NRW und das Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf. Mit Unterstützung von La Ménagerie de Verre Paris im Rahmen von Studiolab. Mit besonderem Dank an agnès b. Paris.

Ministerium Kultur und Wissenschaft nrwKunststiftung nrwLandeshauptstadt Düsseldorf